Die Studie fragt in einem lokal auf die Pazifikstadt Wladiwostok beschränkten, aber kulturraumübergreifenden Vergleich nach spezifischen Ereignissen und Phänomenen, die sich unter dem Stichwort der „gelben Gefahr“ im russisch-sowjetischen Kontext subsumieren lassen. Solch ein Zugang betritt in mehrfacher Hinsicht historiographisches Neuland: Denn pogromartige Übergriffe auf Chinesen im späten Zarenreich und ihre vollständige Deportation unter Stalin machen diese Gemeinschaft im sowjetrussischen Fernen Osten zu einem Sonderfall innerhalb der weltweit verstreuten Diaspora der Überseechinesen und innerhalb der Geschichte nationaler Minderheiten in der Sowjetunion. Ferner geht das Vorhaben der Frage nach, wie gesellschaftliche Eliten „Rasse“ im russisch-sowjetischen Kontext als eine Kategorie praktischer Politik etablierten und Gewaltexzesse beförderten.
Projektleitung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Nach dem Tod von Stalin und Mao leiteten die Nachfolger in beiden Ländern eine Reihe von liberalen Reformen ein. Diese Perioden wurden als „Tauwetter“ (ottepel') und „Gaige Kaifang“ bezeichnet, mit dem Ziel, sich von der totalitären Politik ihrer Vorgänger zu distanzieren. Dieses Dissertationsprojekt bietet eine neue Perspektive auf die bisherige Forschung, indem es einen alternativen Ansatz zur Analyse und zum Vergleich des komplexen Zusammenspiels zwischen den Regimen in der Übergangsphase und der studentischen Intelligenzija verfolgt. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die komplexe Dynamik zwischen diesen Regimen und der studentischen Intelligenzija zu analysieren, um ein Kommunikationsmodell zu entwickeln, das die Beziehung zwischen posttotalitären Regimen und der Jugendintelligenzija charakterisiert.
Dissertationsprojekt von: Qi Zhang
Projektbetreuung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Dieses Projekt stellt die erste Phase einer umfassenderen Forschungsagenda dar, die sich an der Schnittstelle von Geschichte, Soziologie und Anthropologie befindet. Es untersucht, wie Modernisierungsprozesse es dem Staat ermöglichten, das Alltagsleben in Belarus zu durchdringen, und zeichnet dabei einen langfristigen Wandel von einer vormodernen Gesellschaftsordnung – gekennzeichnet durch eine begrenzte Präsenz des Staates – hin zu einer modernen Gesellschaftsordnung nach, in der der Staat einen zentralen Platz in der sozialen Organisation einnimmt. Anstatt national orientierte Narrative in den Vordergrund zu stellen, konzentriert sich das Projekt auf die Lebenserfahrungen gewöhnlicher Menschen und ihre alltäglichen Interaktionen mit der Staatsmacht. Durch die explizit anthropozentrische Perspektive leistet das Projekt einen neuartigen Beitrag zur Erforschung der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft und der historischen Entstehung moderner politischer Identitäten in Belarus und dem weiteren russisch-polnischen Grenzgebiet.
Postdocprojekt von: Dr. Stanisław Boridczenko
Projektbetreuung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Gefördert durch: Alexander von Humboldt-Stiftung
Dieses Projekt untersucht, wie jugendliches Rockpublikum in der späten Sowjetunion (1986–1991) und während der Militärdiktatur in Argentinien (1980–1983) zu aktiven Akteuren politischen Wandels wurde. Im Mittelpunkt stehen die Zuhörer, nicht die Musiker, und es wird analysiert, wie gemeinsame Musikfahrungen neue Formen politischen Bewusstseins und Engagements in Zeiten politischer Krisen hervorbrachten. Der Vergleich zweier nicht-demokratischer Kontexte ermöglicht eine Bottom-up-Perspektive auf die Agency der Jugend, kulturelle Praxis und die Dynamiken demokratischer Übergänge.
Postdocprojekt von: Dr. Irina Veselova
Projektbetreuung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Das Projekt untersucht die polnische Diaspora in Harbin im frühen 20. Jahrhundert sowie die Erinnerung an dieses „chinesische Kapitel“ der polnischen Emigration. Die 1898 gegründete mandschurische Stadt Harbin war ein Zentrum russischen Imperialismus in China. Die polnische Gemeinschaft hatte einen wesentlichen Einfluss auf das wirtschaftliche und kulturelle Leben. Das Vorhaben beleuchtet die komplexe Rolle der Polen in dieser Periode und schließt eine Forschungslücke in der imperialen Geschichte der Mandschurei.
Dissertationsprojekt von: Mariusz Borysiewicz
Projektbetreuung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Gefördert durch: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung
Nach der 1932 durch die japanische Kwantung-Armee erfolgten Abtrennung der Mandschurei von China und der Ausrufung des nominell unabhängigen Staates Manchukuo mussten sich die Mächte mit Interessen in der Region mit der neuen Situation arrangieren. Dieses Projekt fokussiert sich auf die westeuropäischen Gemeinden im mandschurischen Staat, und zeichnet unter Verwendung der Akteur-Netzwerk-Theorie nach, welche Strategien und Ziele westeuropäische Akteure in der Mandschurei unter japanischer Besatzung verfolgten. Dabei beleuchtet es die Wirtschaftsbeziehungen und internationalen Verflechtungen Manchukuos aus Akteursperspektive und zeichnet so die facettenreiche Geschichte bis jetzt kaum betrachteter Gruppen in Manchukuo nach.
Dissertationsprojekt von: Jona Eritt
Projektbetreuung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Das Projekt untersucht die Beziehung zwischen der Idee der Kirche und der Idee der Politik mit dem Ziel, die Vorwürfe der Kollaboration durch das Prisma der politischen Aktivitäten der Kirchen in den Ländern Mittel- und Osteuropas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu analysieren. Dieses Projekt vermittelt ein besseres Verständnis der kirchlich-politischen Beziehungen, der Kollaboration der Kirche und ihrer Auswirkungen auf die Bildung unabhängiger Staaten in Mittel- und Osteuropa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus bietet die Forschung zu diesem Thema die Möglichkeit, die kirchlich-politischen Beziehungen und das Modell der Kollaboration in der Ukraine, Kroatien und der Slowakei mit denen in den baltischen Staaten, Polen, Ungarn, Bulgarien usw. zu vergleichen.
Postdocprojekt von: Dr. Oksana Pasitska
Projektbetreuung: Prof. Dr. Sören Urbansky
Gefördert durch: Alexander von Humboldt-Stiftung
Das Projekt widmet sich den religiös motivierten sozialen Freiheitspraktiken der Sektenanhänger*innen und nähert sich dem Begriff der Freiheit aus sozialgeschichtlicher Perspektive.
Projektleitung: Dr. Agnieszka Zaganczyk-Neufeld